Das war vor kurzem in einer Stellenanzeige zu lesen. Was soll man sich darunter vorstellen? Dass bewusst nicht professionell handelnde Personen gesucht werden? Hilfskräfte?

Und warum werden nicht einfach DolmetscherInnen gesucht? Bekanntlich ist der Beruf des Dolmetschens ein ungeschützter Beruf, ein so genanntes „freies Gewerbe“, wobei frei in diesem Zusammenhang bedeutet, dass zur Anmeldung dieses Gewerbes keine Prüfung abzulegen ist, wie etwa bei FriseurInnen oder SchneiderInnen, sondern dass man lediglich EWR-Bürgerschaft, Unbescholtenheit und Volljährigkeit nachzuweisen hat.

Das bedeutet aber keinesfalls, dass alle DolmetscherInnen Laien sind. Es gibt sehr wohl eine universitäre Ausbildung für diesen Beruf (in Österreich in Wien, Graz und Innsbruck) und es gibt für Sprachenkombinationen, die von den Universitäten nicht abgedeckt werden (können), zahlreiche Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote, wie z. B. die UNHCR-Kurse mit der Bezeichnung QUADA, was für Qualitätsvolles Dolmetschen im Asylbereich steht, und auch Zertifikats- und Professionalisierungskurse, die den Universitäten Wien, Graz und Innsbruck angeschlossen sind.

Dolmetschen für Behörden, Schulen, Gesundheitseinrichtungen ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, die neben Sprach- und Kulturkompetenz auch spezielle Kommunikationsstrategien, Dolmetschtechniken erfordert. Der Irrtum, Sprachkenntnisse allein würden genügen, ist immer noch weit verbreitet. Erst wenn ÄrztInnen ihrer Aufklärungspflicht nicht nachkommen können, wenn Fehlentscheidungen getroffen werden, wenn Asylverfahren neu aufgerollt werden müssen, wird offensichtlich, wie hoch die Folgekosten des Einsatzes von nicht ausgebildeten DolmetscherInnen sein können und dass es sich für Politik und Gesellschaft auf jeden Fall auszahlt, in die Professionalisierung von sprachkundigen Menschen zu investieren, damit sie befähigt werden, das Dolmetschen als Schlüsselberuf für eine mehrsprachige und mehrkulturelle Gesellschaft mit entsprechendem Verantwortungsbewusstsein auszuüben.

Sprachlose Medizin

Wenn Sprachbarrieren Ärzte und Ärztinnen daran hindern, eine genaue Anamnese zu erfragen, werden nicht selten Angehörige zum „Dolmetschen“ herangezogen oder sprachkundige Bekannte per Mobiltelefon zugeschaltet. Was vielleicht eine Notlösung für einen Arzt ist, der so versucht, seiner Aufklärungspflicht nachzukommen, entpuppt sich schon sehr bald als ein weit verbreitetes Problem eines ganzen Berufsstandes. Das Bild von Dolmetschenden im gesundheitlichen und behördlichen Bereich wird unter anderem durch das Rollenverständnis von nicht professionellen Sprachmittlern mitbeeinflusst, welche ihre Qualifikation ausschließlich in der Zweisprachigkeit sehen.

Daher fehlt es ihnen auch am Bewusstsein dafür, dass ein gedolmetschtes Gespräch eine besondere Herausforderung ist und dass eine verzerrte oder selektive Wiedergabe des Gesagten nicht nur unbefriedigend ist, sondern schwerwiegende Folgen haben kann und unnötige Kosten nach sich zieht.

Ausgebildete Dolmetschende verfügen neben einer fundierten Sprach- und Kulturkompetenz auch über Dolmetschtechniken und -strategien und über das unbedingt notwendige Hintergrundwissen in ihren Einsatzbereichen. Sie handeln oft in stressgeladenen und emotionalen Ausnahmesituationen und kennen Abgrenzungs- und Bewältigungsmechanismen, sind sich ihrer professionellen Rolle und ihrer ethischen Verantwortung bewusst.

Umso wichtiger erscheint der Einsatz von professionell ausgebildeten DolmetscherInnen im Kommunalbereich. Tatsache ist jedoch, dass die Notwendigkeit professioneller Dolmetschleistungen sich nur schwer im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit verankern lässt. Noch immer herrschen prekäre Umstände, gerade wenn es um das Dolmetschen im Gesundheitswesen geht.

Die Wurzel des Problems ist jedoch nicht nur bei den sogenannten LaiendolmetscherInnen zu suchen, sondern auch bei den jeweiligen AuftraggeberInnen. Die nationale Migrationspolitik, sowie die Sprach- und Translationspolitik eines Landes sind ebenfalls als entscheidende Faktoren zu nennen. Deklarierte Einwanderungsländer wie Kanada, USA, Australien, aber auch Schweden haben bereits in den 1970ern migrationsbedingt professionelle Dolmetschdienste in Einrichtungen des Gesundheitswesens ermöglicht, während andere Einwanderungsländer wie Deutschland und Frankreich und auch Österreich sich mit diesen Maßnahmen deutlich mehr Zeit gelassen haben.

 

von Ivana Havelka
Vorstandsmitglied von UNIVERSITAS Austria

und Florika Griessner
Vertreterin der AG Kommunaldolmetschen am ITAT Graz

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